Sprachmittlerkurse für GemeindedolmetscherInnen

Neben meiner Tätigkeit als Übersetzerin und Dolmetscherin unterrichte ich in Sprachmittlerkursen für GemeindedolmetscherInnen. Sie fragen sich sicherlich, was GemeindedolmetscherInnen sind und was sie so machen. GemeindedolmetscherInnen haben nichts mit der Kirche zu tun, um dieses häufig auftauchende Missverständnis gleich aus dem Weg zu räumen. Der Begriff ist eine Übersetzung aus dem Englischen: „Community Interpreter“ haben in englischsprachigen Einwanderungsländern eine deutlich längere Tradition als hier in Deutschland, womit ich jetzt aber nicht die Diskussion, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist oder nicht, lostreten möchte. „Community Interpreter“ sind SprachmittlerInnen, die bei Behörden, bei Arztgesprächen oder auch in der Schule für Personen sprachmitteln, die die Amtssprache des Landes, in dem sie leben, nicht oder nicht ausreichend gut beherrschen, um diese Gespräche ohne SprachmittlerIn führen zu können. Diese SprachmittlerInnen dolmetschen häufig für Mitglieder der eigenen Community, was hier häufig mit „Gemeinde“ übersetzt wird, wodurch dann die Bezeichnung des  „Gemeindedolmetschers“ entsteht.

GemeindedolmetscherInnen werden seit einigen Jahren verstärkt benötigt und aus diesem Grund bietet ein in Potsdam ansässiger Verein Sprachmittlerkurse in unterschiedlichen Städten Brandenburgs an. In diesen Kursen erhalten die TeilnehmerInnen einen Überblick über das Sozialsystem, das Gesundheitswesen, das Schulsystem und über viele weitere Community-relevante Themen. Ein Schwerpunkt des Kurses sind Einheiten zum Sprachmitteln. Hier erhalten die TeilnehmerInnen theoretisches Wissen zur Tätigkeit des Sprachmittelns und sie lernen, wie sie sich theoretisch in schwierigen Situationen verhalten können/sollen. In praktischen Übungen lernen sie dann das theoretisch Erlernte anzuwenden und merken, dass ein „ich dometsche genau so, wie die Gesprächspartner es sagen“ nicht realisierbar ist. In den nachgespielten Gesprächen erfahren sie dann selbst, wie sie mit schwierigen Situationen am besten umgehen und welche Schlüsselrolle der/die SprachmittlerIn in Gesprächen spielen kann. Sie werden ermutigt, lieber einmal mehr nachzufragen, als die Gefahr einzugehen, etwas inhaltlich falsch zu dolmetschen. Auch über die Verantwortung, die die SprachmittlerInnen in diesen Gesprächen tragen, diskutieren wir. Am Kursende sind sich die SprachmittlerInnen bestenfalls ihrer Verantwortung bewusst und können ihr sprachmittlerisches Handeln besser reflektieren.

Natürlich sind nicht alle Kursteilnehmenden später in der Lage, schwierige Gespräche zu dolmetschen. Manche haben nicht ausreichend gute Sprachkenntnisse, manche reflektieren zu wenig ihr eigenes Handeln. Natürlich muss auch ganz klar sein, dass ein solcher Kurs ein Studium nicht ersetzt. Allerdings kann er sehr wohl die Lücke zwischen gänzlichen LaiendolmetscherInnen, die „nur“ beide Sprachen gut oder teilweise auch nur mäßig können, und zwischen professionellen DolmetscherInnen ein wenig verringern. Ganz gewiss werden im Kurs jedoch die Sprachkenntnisse der Teilnehmenden verbessert – das schadet wohl nie.

 

 

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